PUNTILA
– BURGTHEATER WIEN 2025
HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI | BERTOLT BRECHT
INSZENIERUNG von ANTÚ ROMERO NUNES | PREMIERE vom 29. März 2025
„Ein zurechnungsfähiger Mensch […] hat keinen Sinn
für Freundschaft mehr, er ist bereit, über seine eigene Leiche
zu gehen“, sagt Gutsbesitzer Puntila und versucht, „Anfälle
von Nüchternheit“ zu vermeiden.
BILD: Ali Meyer im Gesinde
| Herr Puntila und sein Knecht Matti | Burgtheater Wien 2025
Immer, wenn er getrunken hat, wird er zum Menschenfreund. Dann verlobt
er sich kurzerhand gleich mit mehreren Arbeiterinnen, beschäftigt
Kranke aus Mitleid und philosophiert mit seinem Chauffeur Matti über
das Leben. Puntilas Tochter Eva versucht ihren Vater vom Alkohol fernzuhalten
und zweifelt an ihrer Verlobung mit dem Attaché. Sie verbündet
sich mit Matti und die beiden müssen einsehen, dass sie nicht hauptsächlich
unter Puntilas Alkoholmissbrauch, sondern vor allem unter den Regeln
des Kapitalismus leiden.
SAUFEN WIR UNS SCHÖN
"Brechts Puntila erträgt sich selbst und die Welt seiner
Mitmenschen nur, wenn er ordentlich einen im Tee hat. Nüchtert
er aus, wird er zum Unhold. Antú Romero Nunes macht daraus eine
Parabel auf die Zwänge der Leistungsgesellschaft – mit klassischem
Spaß und großartigem Ensemble. Mit dem Alkohol ist's ja
immer so eine Sache. Die einen macht er munter und fröhlich, die
anderen holt er aus der Schüchternheit. Wieder andere verfallen
dem Schlaf oder werden übermäßig aggressiv. Und Puntila?
Der ist gar nicht wiederzuerkennen. Das Nervengift verwandelt ihn in
einen halbwegs erträglichen und überschwänglichen Menschen.
Immerhin in einen Menschen. Denn sucht ihn plötzlich anfallsartig
diese Abnormalität heim, die er 'sternhagelnüchtern' nennt,
dann wird der Gutsbesitzer zum Misanthropen, zur Landplage, gar zum
Untier. Da jagt er die (kränkelnden) Arbeiter*innen vom Hof, die
er während seiner Trunkenheit noch auf die Landwirtschaft geholt
hat, verschmäht seine drei (!) Verlobten, denen er, berauscht von
Schnaps, kurz zuvor mit Gardinenringen einen Antrag machte. Und beschuldigt
den treu dienenden Chauffeur Matti des Diebstahls an seiner Brieftasche,
obwohl er ihm die in seinem Suff ausdrücklich anvertraut hat."
*ZITAT: Patricia Kornfeld / nachtkritik.de
Bertolt Brecht schrieb HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI zusammen
mit Hella Wulijoki 1940/41 im finnischen Exil auf Grundlage ihres Stücks
„Die Sägemehlprinzessin“.


ZUSTAND DER TRUNKENHEIT – PASSENDE LÖSUNG IM KREUZWORTRÄTSEL = RAUSCH
Unser Gehirn schüttet an und für sich ohne zutun Dopamin
und Serotonin je nach Aktivität sowie den Botenstoff Gamma-Aminobuttersäure
– GABA – aus. Alleine Sport und Sonnenlicht setzen besonders
viele Glückshormone frei. Eine durch Alkoholkonsum bedingte Ausschüttung
dieser Hormone in ungewöhnlich hohen Mengen, je nach der Menge
des Alkohols mittels Blutkreislauf ins Gehirn gelangt, ist evident.
Der Botenstoff GABA spielt eine sehr große Rolle in der Wirkungskraft
von Alkohol im Gehirn. GABA hemmt nämlich die Aktivität der
Nervenzellen, wirkt auf diese Weise beruhigend und entspannend. Alkohol
fördert die Bildung von GABA. Er dockt eigenständig an den
GABA-Rezeptoren im Gehirn an. Das ist der Grund, warum man glaubt, sich
unter Alkoholeinfluss gut, entspannter bis gelassener zu fühlen.
In Bertolt Brechts Bühnenstück wird der Gutsbesitzer Puntila
immer wenn er getrunken hat zum Menschenfreund. Es ist eine teuflische
Täuschung, denn spätestens bei Eintritt der Nüchternheit
kommt die Wahrheit ans Licht.
AUTOR: © Prof. Ali
Meyer | 2025
BILDER BÜHNE: © Burgtheater
Wien / Tommy Hetzel
BILDER BACKSTAGE: © Kollegen der Komparserie
BILD BACCHUS: © Ali Meyer
| Drinking Bacchus | Guido Reni | Staatliche
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