Freitag, den 29. August 2025

TEATRO PER TUTTI – Theater für Alle

Der Kultursektor in Österreich erwirtschaftet einen hohen Wertschöpfungsanteil. Die Alpenrepublik hat neben seinen Seen und Bergen, sowie seiner Ess- und Trinkkultur, auch eine Menge in der Theaterlandschaft anzubieten. Die große Auswahl an hochqualitativen Theaterfestivals in den Bundesländern kann sich sehen lassen.

Wenn auch aufgrund der Corona-Pandemie die Gästezahl der österreichischen Bundetheater in der Saison 2019/20 gegenüber den Vorjahren deutlich sank, lag die durchschnittliche Besucheranzahl seit 2009/10 immerhin jährlich um die 1,3 Millionen Kulturfreudigen, die den Häusern ihre Aufwartung machten. Es ist ein Spiegel der Kultur.

Als eines der international bedeutendsten Opernhäuser blickt die Wiener Staatsoper sowohl auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück als auch auf eine vielseitige Gegenwart. Das andere berühmte Haus am Ring ist das Burgtheater. Es gilt als eine der bedeutendsten Bühnen Europas und ist nach der Comédie-Française das zweitälteste europäische sowie das größte deutschsprachige Sprechtheater. Die Salzburger Festspiele gelten als das weltweit bedeutendste Festival der klassischen Musik und darstellenden Kunst. Sie finden seit 1920 jeden Sommer im Juli und August in Salzburg statt. Es ist das kulturelle Drehkreuz.

BILD: © Ali Meyer | ALI MEYER ON STAGE »

IN VINO VERITASZU GAST BEI
BÜHNENERLEBNISSEN ON- & BACK STAGE
HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI

Was ist wo los? Im unteren TEATRO PER TUTTI-LEITFADEN » findet man THEATER FÜR ALLE. Bühnenerlebnisse – On Stage & Back Stage – über klassische zu moderner Musik – alles rund um das Theater – darstellende Kunst – Oper, Operette, Ballett und Konzerte – bis in die Welt der musealen Kultstätten – Art for Art.



PUNTILA – BURGTHEATER WIEN 2025

HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI | BERTOLT BRECHT
INSZENIERUNG von ANTÚ ROMERO NUNES | PREMIERE vom 29. März 2025

„Ein zurechnungsfähiger Mensch […] hat keinen Sinn für Freundschaft mehr, er ist bereit, über seine eigene Leiche zu gehen“, sagt Gutsbesitzer Puntila und versucht, „Anfälle von Nüchternheit“ zu vermeiden.

BILD: Ali Meyer im Gesinde | Herr Puntila und sein Knecht Matti | Burgtheater Wien 2025

Immer, wenn er getrunken hat, wird er zum Menschenfreund. Dann verlobt er sich kurzerhand gleich mit mehreren Arbeiterinnen, beschäftigt Kranke aus Mitleid und philosophiert mit seinem Chauffeur Matti über das Leben. Puntilas Tochter Eva versucht ihren Vater vom Alkohol fernzuhalten und zweifelt an ihrer Verlobung mit dem Attaché. Sie verbündet sich mit Matti und die beiden müssen einsehen, dass sie nicht hauptsächlich unter Puntilas Alkoholmissbrauch, sondern vor allem unter den Regeln des Kapitalismus leiden.

SAUFEN WIR UNS SCHÖN

"Brechts Puntila erträgt sich selbst und die Welt seiner Mitmenschen nur, wenn er ordentlich einen im Tee hat. Nüchtert er aus, wird er zum Unhold. Antú Romero Nunes macht daraus eine Parabel auf die Zwänge der Leistungsgesellschaft – mit klassischem Spaß und großartigem Ensemble. Mit dem Alkohol ist's ja immer so eine Sache. Die einen macht er munter und fröhlich, die anderen holt er aus der Schüchternheit. Wieder andere verfallen dem Schlaf oder werden übermäßig aggressiv. Und Puntila? Der ist gar nicht wiederzuerkennen. Das Nervengift verwandelt ihn in einen halbwegs erträglichen und überschwänglichen Menschen. Immerhin in einen Menschen. Denn sucht ihn plötzlich anfallsartig diese Abnormalität heim, die er 'sternhagelnüchtern' nennt, dann wird der Gutsbesitzer zum Misanthropen, zur Landplage, gar zum Untier. Da jagt er die (kränkelnden) Arbeiter*innen vom Hof, die er während seiner Trunkenheit noch auf die Landwirtschaft geholt hat, verschmäht seine drei (!) Verlobten, denen er, berauscht von Schnaps, kurz zuvor mit Gardinenringen einen Antrag machte. Und beschuldigt den treu dienenden Chauffeur Matti des Diebstahls an seiner Brieftasche, obwohl er ihm die in seinem Suff ausdrücklich anvertraut hat." *ZITAT: Patricia Kornfeld / nachtkritik.de

Bertolt Brecht schrieb HERR PUNTILA UND SEIN KNECHT MATTI zusammen mit Hella Wulijoki 1940/41 im finnischen Exil auf Grundlage ihres Stücks „Die Sägemehlprinzessin“.

 

ZUSTAND DER TRUNKENHEIT – PASSENDE LÖSUNG IM KREUZWORTRÄTSEL = RAUSCH

Unser Gehirn schüttet an und für sich ohne zutun Dopamin und Serotonin je nach Aktivität sowie den Botenstoff Gamma-Aminobuttersäure – GABA – aus. Alleine Sport und Sonnenlicht setzen besonders viele Glückshormone frei. Eine durch Alkoholkonsum bedingte Ausschüttung dieser Hormone in ungewöhnlich hohen Mengen, je nach der Menge des Alkohols mittels Blutkreislauf ins Gehirn gelangt, ist evident. Der Botenstoff GABA spielt eine sehr große Rolle in der Wirkungskraft von Alkohol im Gehirn. GABA hemmt nämlich die Aktivität der Nervenzellen, wirkt auf diese Weise beruhigend und entspannend. Alkohol fördert die Bildung von GABA. Er dockt eigenständig an den GABA-Rezeptoren im Gehirn an. Das ist der Grund, warum man glaubt, sich unter Alkoholeinfluss gut, entspannter bis gelassener zu fühlen. In Bertolt Brechts Bühnenstück wird der Gutsbesitzer Puntila immer wenn er getrunken hat zum Menschenfreund. Es ist eine teuflische Täuschung, denn spätestens bei Eintritt der Nüchternheit kommt die Wahrheit ans Licht.

AUTOR: © Prof. Ali Meyer | 2025
BILDER BÜHNE: © Burgtheater Wien / Tommy Hetzel
BILDER BACKSTAGE: © Kollegen der Komparserie
BILD BACCHUS: ©
Ali Meyer | Drinking Bacchus | Guido Reni | Staatliche Kunstsammlungen Dresden
QUELLEN: Burgtheater Wien | PUNTILA » | Ali Meyer | ONSTAGE »

 

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