SUB ROSA – GEPANTSCHTER WEIN
Große Weine haben wie Stars eine divenhafte Aura. Sie verlocken zu Vielem, nicht nur zum Trinken. Vor allem kann man damit viel Geld machen, insbesondere mit Weinfälschungen.

In den letzten Jahrzehnten wurde der Weinmarkt mehrmals durch das betrügerische Angebot gefälschter Weine erschüttert. Bereits in dem 1710 in Nürnberg erschienenen Traktat mit dem köstlichen Titel: “Der zu allerley guten Geträncken treuherzig anweisende wohlerfahrne Keller-Meister“ serviert der anonym gebliebene Autor Hunderte von Tricks, dass einem die Haare zu Berge stehen. Aus Honig, Zucker, Rosinen, gekochtem Regenwasser und dem Saft von Johannisbeeren lässt sich laut diesem Kellermeister „ein sehr annehmlicher Wein bereiten“.
Eines der größten Weinhäuser Italiens, Casa Vinicola Ferrari, hatte seit 1954 bis zur Aufdeckung 1968 jährlich Millionen Liter Wein auf den Markt gebracht, die entweder gar keinen oder allenfalls zehn Prozent Traubensaft enthielten. Es gab auch schon Spätlesen ohne die Spur von Traubensaft. Im Jahre 2000 flog ein Betrüger auf, der 20 000 Flaschen primitiv mit billigem sizilianischem Landwein füllte und die Fälschung als teuren Kultwein Sassicaia 1995 verscherbelt hatte. Im Dezember 2007 entdeckte das Ispettorato per il Controllo della Qualità dei prodotti agroalimentari, Amt für Fälschungsbekämpfung des Landwirtschaftsministeriums, in der Provinz Verona in Veronella 16 700 Liter gefälschen Wein. Die Ermittler verfolgten die heiße Spur und stießen in Apulien auf fast 700 000 hl, 70 Millionen Liter, entsprechend einer Menge von 90 Millionen Flaschen, also rund drei Chianti-Classico-Jahrgänge oder 1,5% der italienischen Weinproduktion.
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