Donnerstag, den 03. April 2025

SUB ROSA – GEPANTSCHTER WEIN 

Große Weine haben wie Stars eine divenhafte Aura. Sie verlocken zu Vielem, nicht nur zum Trinken. Vor allem kann man damit viel Geld machen, insbesondere mit Weinfälschungen.

In den letzten Jahrzehnten wurde der Weinmarkt mehrmals durch das betrügerische Angebot gefälschter Weine erschüttert. Bereits in dem 1710 in Nürnberg erschienenen Traktat mit dem köstlichen Titel: “Der zu allerley guten Geträncken treuherzig anweisende wohlerfahrne Keller-Meister“ serviert der anonym gebliebene Autor Hunderte von Tricks, dass einem die Haare zu Berge stehen. Aus Honig, Zucker, Rosinen, gekochtem Regenwasser und dem Saft von Johannisbeeren lässt sich laut diesem Kellermeister „ein sehr annehmlicher Wein bereiten“.

Eines der größten Weinhäuser Italiens, Casa Vinicola Ferrari, hatte seit 1954 bis zur Aufdeckung 1968 jährlich Millionen Liter Wein auf den Markt gebracht, die entweder gar keinen oder allenfalls zehn Prozent Traubensaft enthielten. Es gab auch schon Spätlesen ohne die Spur von Traubensaft. Im Jahre 2000 flog ein Betrüger auf, der 20 000 Flaschen primitiv mit billigem sizilianischem Landwein füllte und die Fälschung als teuren Kultwein Sassicaia 1995 verscherbelt hatte. Im Dezember 2007 entdeckte das Ispettorato per il Controllo della Qualità dei prodotti agroalimentari, Amt für Fälschungsbekämpfung des Landwirtschaftsministeriums, in der Provinz Verona in Veronella 16 700 Liter gefälschen Wein. Die Ermittler verfolgten die heiße Spur und stießen in Apulien auf fast 700 000 hl, 70 Millionen Liter, entsprechend einer Menge von 90 Millionen Flaschen, also rund drei Chianti-Classico-Jahrgänge oder 1,5% der italienischen Weinproduktion.

BILD: Clipart | free

IN VINO VERITASSUB ROSA DICTUM
UNTER DEM SIEGEL DER VERSCHWIEGENHEIT
IM WEIN LIEGT DIE WAHRHEIT • ODER AUCH NICHT?

Was ist wo los? Im unteren SUB ROSA-LEITFADEN » findet man Erzählungen um die Verschwiegenheit beim Umtrunk, wahre Geschichten aus dem Milieu der begabten und begnadeten Weinfälscher und auch Informationen über mitunter gefährlichen Irrtümern bei diversen Angaben.


BERÜCHTIGTE WEINFÄLSCHUNGEN

GEPANTSCHTER WEIN

Der letzte große Panscher-Skandal war im Jahre 1977. Vor 20 Jahren wurde der große österreichische Glykolwein-Skandal » aufgedeckt. Das geheimnisvolle Mittel, das aus gewöhnlichen Tafelweinen süße und ölige Prädikatsweine machte, hieß Diethylenglykol. Bis dahin wurde das Mittel hauptsächlich als Komponente für Frostschutzmittel eingesetzt. Andererseits wurde als Konsequenz des Skandals eines der schärfsten Weingesetze der Welt geschaffen und Österreich zum internationalen Spitzenweinproduzenten der Qualitäten. Mein Thema hier sind aber die Franzosen mit ihren großen Weinen. Es ist ein schwieriges Unterfangen, den Inhalt einer Flasche wissenschaftlich einem Jahrgang zuzuordnen. Es ist anhand von Cäsium-Isotopen feststellbar, ob ein Wein vor oder nach den Atombombenabwürfen auf Japan im August 1945 angebaut worden ist, das einen Nachkriegswein somit ausschließt. Ob der Tropfen dann allerdings aus dem Jahr 1944 oder 1844 stammt, wäre damit längst nicht geklärt.

Hardy Rodenstocks Etikettenschwindel nach dem Krieg hatte Geschichte geschrieben. Rodenstock ließ jahrelang abgelöste Etiketten von uralten Weinflaschen nachdrucken. Es gab einen besonders berühmten Wein aus dem année de la victoire, dem Jahr des Sieges über Hitler-Deutschland, einen Jéroboam 1945 V Château Mouton Rothschild. Bei Mouton Rothschild tragen die Etiketten dieses Jahrgangs zur Erinnerung ein großes goldenes V für victoire. Das Laboratoire SCL in Pessac konnte das ihm zugespielte Etikett einer “Rodenstock” Flasche dieses Siegerweines als gefälscht nachweisen.

Zwei Holzkisten mit jeweils zwölf Flaschen 1945 Mouton-Rothschild, einem Giganten unter den Methusalems, sind im September 2006 in den USA für 290 000 Dollar pro Kiste an einen anonymen Käufer versteigert worden. Jahrelang präsentierte Weinguru Hardy Rodenstock immer neue sensationelle Funde aus vergessenen Kellern. Seinen größten Coup, die Jefferson-Weine, hat ein US-Milliardär analysieren lassen, Weine von 1784 und 1787, Château Lafitte (heute Lafite-Rothschild), Château Branne-Mouton (heute Mouton-Rothschild), Château Margaux und Château d’Yquem; dazu die Kürzel “Th. J.”, was für Thomas Jefferson stehen soll, den ehemaligen US-Präsidenten. Um diese Jefferson-Flaschen dreht es sich bis heute in dem Streit mit dem Weinsammler William Ingraham Koch, die dieser 1987 für rund eine halbe Million Dollar von einem Londoner Händler erworben hatte. Er will nachweisen können, dass die Gravuren “Th. J.” auf den Flaschen nicht aus dem 18. Jahrhundert stammen, sondern mit einem modernen Gerät gleich einem Zahnarztbohrer nachträglich eingraviert worden sind. Rodenstock sagt, dass er persönlich nie eine Flasche Wein an Koch verkauft habe und fügt an: „Was kann in 21 Jahren (!) mit den Flaschen nicht alles passiert sein …“

WEINFALSIFIKATE

In der internationalen Weinszene wird seit längerem über Weinfalsifikate geraunt. Seit Februar 2012 setzen die renommiertesten Châteaus der Welt mit dem Château Lafite Rothschild an der Spitze auf ein neues Sicherheitssystem mit Sicherheitsetiketten. Diese Etikette verfügt über zwei Schutzmerkmale. Es ist einerseits ein einzigartiger Bubble Code, der nicht reproduziert werden kann und andererseits ein 13-stelliger alphanumerischer Code, der mit dem Bubble Code verbunden ist. In der Kombination der beiden Codes kann man die Authentizität der Flasche nachweisen. Das Authentifizierungs-Verfahren erfolgt direkt online. Die Website www.lafite.com des Château Baron de Rothschild ist auch als Smartphone Applikation verfügbar. Das älteste Weingesetz der Welt findet sich bereits im Codex Hammurabi: „Der Wein gehört zu den kostbarsten Gaben der Erde. So verlangt er Liebe und Respekt, wir haben ihm Achtung zu erweisen.“

AUTOR: © Prof. Ali Meyer | Auszug aus À BIENTÔT PARIS » | Verlag Der Apfel 2013 | ISBN 978-3-85450-186-2
BILD Mitte: © dpa | Weinfalsifikate
BILD unten: © Ali Meyer | Code de Hammurabi | -1792 / -1750 (1ère dynastie de Babylone : Hammurabi) | Musée du Louvre | Département des Antiquités orientales

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