KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
EINE FLASCHE WASSER PRO eMAIL
DIE VERSTECKTEN UMWELTKOSTEN DES EINSATZES VON KI-CHATBOTS
„Der wachsende CO2-Fußabdruck künstlicher Intelligenz
– KI –steht zunehmend im Fokus der öffentlichen
Aufmerksamkeit. Der ebenso bedeutende Wasserfußabdruck der Künstlichen
Intelligenz – Wasserentnahme und -verbrauch – blieb jedoch
weitgehend unbeachtet. […] Der Wasserverbrauch von KI erstreckt
sich über drei Bereiche: Wasser vor Ort für
die Kühlung von Rechenzentren, Wasser außerhalb des
Standorts für die Stromerzeugung und Wasser in
der Lieferkette für die Serverherstellung. […] Es
ist wichtig zu erkennen, dass im Gegensatz zur Landwirtschaft, deren
Wasserfußabdruck größtenteils grün ist –
d. h. Wasser, das im Boden gespeichert und von Pflanzen genutzt wird
– der größte Teil des Wasserfußabdrucks der künstlichen
Intelligenz aus blauem Wasser besteht, das aus Flüssen, Seen oder
Grundwasser gewonnen wird und zwar direkt für den menschlichen
Gebrauch zugänglich ist, aber oft nur begrenzt verfügbar ist.“<|
*Zitat-1

Denkt ihr bei der Nutzung eures Smartphones oder beim Streaming von
gerade ins Kino gekommenen Filmen über einen eventuellen Wasserverbrauch
nach? Wozu auch, das ist doch nicht das Thema. Das ist es aber
doch, denn Rechenzentren benötigen nicht nur viel Energie,
sondern auch „Blaues Gold“ – sprich Wasser.
Kühlsysteme von Rechenzentren bedürfen je nach eingesetzter
Technologie Unmengen an Wasser. Das sind z. B. Klimaanlagen mit zentraler
Kaltwassererzeugung, wassergekühlte Racks sowie kombinierte Umluft-
und Kaltwassersysteme bzw. Kühltürme.

Das Online-Magazin Data Insider berichtete: Wasserverbrauch
in Rechenzentren: Brecht das Schweigen! Die Autoren Yann Lechelle
und Paul Benoit kritisierten die Verschleierung des Wasser-Ressourcenverbrauchs
in Rechenzentren. „Die IT-Branche selbst hat kein Interesse
daran, dass diese Zahlen bekannt werden. Infolgedessen besteht eine
anhaltende Intransparenz. Die Tech-Riesen berufen sich auf überzeugende
Gründe wie ihr Geschäftsgeheimnis, Schutz von Kundendaten
oder nationale Sicherheit. Ohne transparente Daten sind Verbesserungen
jedoch unmöglich“.
EINE FLASCHE WASSER PRO eMAIL

Die Thematik des Einsatzes von virtuellem Wasser bei der KI-Nutzung
hat IN VINO VERITAS aus einem aktuellen Artikel der WASHINGTON POST**
aufgegriffen. Chatbots verbrauchen enorm viel Energie, um Nutzerfragen
zu beantworten, und allein die Kühlung der Server in Rechenzentren
belastet die Umwelt. Der genaue Aufwand lässt sich kaum beziffern.
Die Washington Post hat daher gemeinsam mit Forschern der University
of California, Riverside, untersucht, wie viel Wasser und Strom OpenAIs
ChatGPT mit dem im März 2023 veröffentlichten Sprachmodell
GPT-4 für das Schreiben einer durchschnittlichen E-Mail von 100
Wörtern benötigt. Jede Eingabeaufforderung auf ChatGPT durchläuft
einen Server, der Tausende von Berechnungen durchführt, um die
besten Wörter für eine Antwort zu ermitteln.
Bei der Durchführung dieser Berechnungen erzeugen die Server, die typischerweise in Rechenzentren
untergebracht sind, Wärme. Häufig werden Wassersysteme eingesetzt,
um die Geräte zu kühlen und ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.
Laut Shaolei Ren, außerordentlicher Professor an der UC Riverside,
transportiert das Wasser die in den Rechenzentren entstehende Wärme
in Kühltürme, damit sie aus dem Gebäude entweichen kann
– ähnlich wie der menschliche Körper Schweiß zur
Kühlung nutzt. Wo Strom günstiger oder Wasser vergleichsweise
knapp ist, wird Strom häufig zur Kühlung dieser Lagerhallen
mit großen, klimaanlagenähnlichen Einheiten eingesetzt, erklärte
er. Das bedeutet, dass der Wasser- und Stromverbrauch einer einzelnen
Anfrage vom Standort des Rechenzentrums abhängen und stark variieren
kann. Selbst unter idealen Bedingungen gehören Rechenzentren oft
zu den größten Wasserverbrauchern in den Städten, in
denen sie sich befinden, so Umweltschützer. Rechenzentren mit elektrischen
Kühlsystemen geben aber auch Anlass zur Sorge, da sie die Stromrechnungen
der Anwohner in die Höhe treiben und das Stromnetz belasten.
Bevor Chatbots überhaupt eine Anfrage bearbeiten können, wird
enorm viel Energie in ihr Training investiert. Die großen Sprachmodelle,
die es Chatbots wie ChatGPT ermöglichen, lebensechte Antworten
zu generieren, benötigen Server, die Millionen von Datensätzen
analysieren. Laut KI-Experten und Forschungsarbeiten kann das Training
dieser hochentwickelten Computermodelle Monate dauern, und Technologieunternehmen
wie Google, Meta und Microsoft arbeiten fieberhaft am Aufbau von Rechenzentren.
Große Technologieunternehmen haben zahlreiche Versprechen abgegeben,
ihre Rechenzentren durch den Einsatz neuer Kühlmethoden umweltfreundlicher
zu gestalten. Diese Klimaversprechen werden jedoch häufig nicht
eingehalten. „KI kann energieintensiv sein, deshalb arbeiten
wir ständig an der Effizienzsteigerung“, sagte Kayla
Wood, Sprecherin von OpenAI. Ashley Settle, Sprecherin von Meta, erklärte
in einer Stellungnahme, das Unternehmen lege Wert darauf, „unsere
Rechenzentren nachhaltig und effizient zu betreiben und gleichzeitig
die Zuverlässigkeit unserer Dienste zu gewährleisten“.
Craig Cincotta, General Manager bei Microsoft, sagte, „das
Unternehmen sei weiterhin bestrebt, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren,
und fügte hinzu, Microsoft arbeite an der Installation von Kühlmethoden
für Rechenzentren, die den Wasserverbrauch vollständig eliminieren“.
AUTOR: © Prof. Ali
Meyer 2026 | Inhalte aus der Washington Post
BILD Panorama Rechenzentrum: © Alfa Laval
BILD Panorama KI: © Digital Austria
*ZITAT-1: © Making AI Less “Thirsty”
| Uncovering and Addressing the Secret Water Footprint of AI Models
| Pengfei Li | Riverside, University of California, e.a. | ARXIV.org,
29.10.2023
**Washington Post: © „A bottle of water per
email“ | The hidden environmental costs of using AI chatbots |
WASHINGTON POST | 27.9.2024
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