Donnerstag, den 06. Oktober 2022

WELTAUSSTELLUNGS-KULTUR

Die erste Weltausstellung wurde 1851 im Londoner Hyde Park unter dem Titel „Great Exhibition of the Works of Industry of All Nations“ abgehalten. Die bisher vom BIE – Bureau International des Expositions – betreuten rund 50 Weltausstellungen verbanden die Idee von technischer Faszination mit kulturellen Veranstaltungen und Unterhaltung. Die jüngste Weltausstellung war die EXPO 2020 in Dubai. Diese Weltausstellung machte so vieles einzigartig und zeigte auf wie wir durch Nachhaltigkeit, Mobilität und Chancen, Gedanken verbinden und die Zukunft gestalten können. Wir alle haben die Fähigkeit, eine bessere Welt zu schaffen. Die EXPO 2020 Dubai sprach aber auch in absoluten Zahlen: Von Oktober 2021 bis März 2022 brachten Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate 200 Nationen und Organisationen zusammen, um einen Kurs für eine sauberere, sicherere und gesündere Zukunft für alle aufzuzeigen. Ganze 24.1 Millionen Menschen aus 178 Ländern frequentierten die EXPO. Davon zählten alleine eine Million an Schulbesuchen und 107.000 Menschen mit Behinderung – eine beeindruckende Statistik – ein Spiegelbild des Erfolges.

Mein persönlicher Besuch dieser faszinierenden Ansammlung an Kultur und menschlichem Können in den Vereinigten Arabischen Emiraten im März 2022 manifestierte sich immerhin mit 33 besuchten Pavillions verschiedener Nationen – von insgesamt 198 ausgestellten Länderpavillions. Mehr war innerhalb ein paar Arbeitstagen einer guten Reise-Woche bei konzentrierter Aufnahme der Inhalte nicht realisierbar. Aber es war die Reise mehr als wert.

BILD: Offizielles Logo EXPO 2020 Dubai UAE

IN VINO VERITASWORLD EXPO AUSBLICK
EXPO 2020 DUBAI UAE (2021-22)
WEINBAU IN TANSANIA

Was ist wo los? Im unteren WORLD EXPO -LEITFADEN » findet man EXPO-Infos. Diese zeigen auf wie wir durch Nachhaltigkeit, Mobilität und Chancen, Gedanken verbinden und die Zukunft gestalten können. Wir alle haben die Fähigkeit, eine bessere Welt zu schaffen und die Zukunft zu gestalten.


WEINBAU IN TANSANIEN

WEININDUSTRIE IM AFRIKANISCHEN OSTEN

Ich wurde mit dem "Weinland Tanzania" auf der EXPO 2020 Dubai konfrontiert. Afrika und Wein führt normalerweise gedanklich sofort zu Südafrika. Aber da gibt es doch noch anderes äußerst Interessantes. Der Wein kam wie so oft wiedereinmal mit einer Mission ins Land. Genaugenommen hatten italienische Missionare der katholischen Mission Hombolo im 19. Jahrhundert für religiöse Zwecke die ersten Rebstöcke im Hinterland von Tansanien, in der Nähe des Kondoa-Distrikts in Dodoma angebaut. Danach in den 1930er-Jahren wurden unweit südlich des Kilimandscharo Reben von deutschen Siedlern angepflanzt. Nach der Unabhängigkeit von den Briten im Jahre 1961 setzten dann massive Bestrebungen des staatlichen Ausbaus ein. Eine trockene Luft und ein Sandboden, kombiniert mit geringer Luftfeuchtigkeit ist eben ein optimales Wachstumsklima für trockene weiße und rote Weine. So zumindest stellt es sich um Dodoma dar, dem bis dato einzigen Weinbaugebiet des Landes. Es werden Chenin Blanc, Shiraz, Cabernet Sauvignon und natürlich Makutupora kultiviert, eine lokale Rotweinsorte – eine trockene rote Traube, die auf trockenem, sandigem Boden mit geringer Luftfeuchtigkeit bestens wächst. Die südafrikanische Handschrift ist natürlich nicht zu übersehen, sei es durch den Import von Rebstöcken bis hin zu Weinen bzw. der finanziellen Beteiligung durch die südafrikanische Distell Group und den damit verbundenen Markenrechten an der – Dodoma Wine Company.

Regionen wie Morogoroo, Tanga, Arusha, Tabora, Mwanza, Ruuvuma klingen wohl etwas unbekannter als Kilimanjaro, sind aber wie neue Forschungen von TARI – Tanzania Agricultural Research Institute – jetzt ergeben haben, durchaus geeignet Weinbau zu tragen. Entlang der flachen Küste gibt es ein tropisches, in den Bergen im Norden, Westen und Süden ein gemäßigtes Klima. Es ist ein anderes Klima als in der Alten Welt des Weins – in Europa.

PORTRAYING AFRICA

Bei dem Projekt PORTRAYING AFRICA begegnet man unterschiedlichen, faszinierenden, eigenartigen und polarisierenden Menschen. Manchmal läuft es im Leben anders als geplant – wie bei Quereinsteigerin Sweetbertha Rwabizi. „9 to 5 lag mir einfach nicht“, erzählt die junge Afrikanerin. Von einem französischen Ölkonzern wechselte sie kurzerhand in die Genussproduktion und überwacht nun ihr Lieblingsgetränk aus Studientagen. Sweetbertha Rwabizi hat hohe Ziele im kulinarisch aufstrebenden Tansania: die Etablierung einer echten Weinkultur.

Sweetberthas Arbeitsplatz klingt bislang noch ungewöhnlich im tansanischen Kontext. „Wein aus der Region ist ein sehr neues Phänomen. Die Bevölkerung ist skeptisch und viele bevorzugen den importierten Wein aus Südafrika, weil sie ihn kennen“, erzählt Sweetbertha. Dabei bilden die Weinberge rund um Tansanias Hauptstadt Dodoma nicht nur die vielversprechendste Weinregion im Land, sondern auch eine der aufstrebendsten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Denn die Bedingungen für den Weinanbau sind in Dodoma perfekt. „Wir liegen relativ hoch, wodurch es nicht allzu heiß wird“, sagt Sweetbertha. Zwar gebe es manchmal nicht genug Niederschlag, aber daran hätten sich die beiden Traubenarten Makutupora und Chenin Blanc über die Jahre angepasst und überhaupt erst ihren regionalen charakteristischen Geschmack entwickelt. „Die wichtigste Besonderheit ist aber, dass wir zwei Mal im Jahr ernten können, weil wir zwei Regenzeiten haben – von August bis November und von Februar bis März“, fügt sie hinzu.

In dieser Zeit arbeiten die 700 Farmer aus der Umgebung, Sweetbertha und ihre 90 Mitarbeiter rund um die Uhr. Morgens bringen die Weinbauern die Trauben in Bottichen und werden nach Gewicht bezahlt. Dann werden die Früchte weiterverarbeitet, abgebeert und in einer Mühle zerdrückt, sodass die dickflüssige Maische entsteht. „Bei Rotwein, den wir zu 90 Prozent verkaufen, bleibt dieses Gemisch drei bis vier Tage stehen, damit der Wein gärt und möglichst viele Farbstoffe aus den Beeren extrahiert werden“, erklärt Sweetbertha. Dadurch erhalte das Produkt auch seine schöne rote Farbe, die bei tansanischem Wein noch intensiver und dunkler sei als in anderen afrikanischen Ländern. Anschließend wird der Wein gefiltert, gepresst und schließlich in einem der zwölf riesigen Tanks von Alko Vintages gelagert. 1,5 Millionen Liter füllt der Weinproduzent, der als einziges Weingut Tansanias unter einheimischer Führung steht, auf diese Weise jährlich ab – wenn nicht produziert wird, besteht die tägliche Arbeit darin, den Wein abzufüllen. „Der liebliche Rotwein ‚Dompo‘ ist der absolute Verkaufsschlager unter unseren sieben Marken, weil er mit 18 Volumenprozent einen außergewöhnlich hohen Alkoholgehalt hat“, schmunzelt Sweetbertha.

KONKRETES POTENTIAL

Konkretes Potential sieht das 1,55m große Energiebündel dabei in gleich mehreren Aspekten: „Die Menschen in Tansania beginnen, gesünder zu leben, ihren Lebensstil umzustellen. Sie lernen zum Beispiel, dass viele im Alter Diabetes oder Bluthochdruck bekommen und versuchen, das zu verhindern. Ein Glas Wein am Tag kann da helfen – das erkennen sie langsam.“ Daneben möchte Alko Vintages auf den hohen Anteil an Muslimen im Land reagieren und verschiedene Arten an Traubensaft anbieten. Auch in den bisherigen Importen von 30 Millionen Litern jährlich läge weiteres Wachstumspotential, versichert Sweetbertha: „In Zukunft können wir hoffentlich die Importe durch unseren eigenen Wein ersetzen, indem wir damit werben, dass der Wein im eigenen Land hergestellt wurde.“

Um zu expandieren reichen die bisherigen Kapazitäten von Alko Vintages jedoch noch nicht. In Tansania ist das Unternehmen neben Cetawico und Tansanian Distilleries Limited schon die drittgrößte Weinmarke, aber ihr Marktanteil liegt noch unter zehn Prozent. Gegenwärtig baut der Weinproduzent daher acht neue Tanks für umgerechnet 1,2 Millionen Euro, um die Lagerkapazität zu erhöhen und eine höhere Nachfrage bedienen zu können. Um jedoch zu exportieren, zum Beispiel nach Südafrika, müsste Alko Vintages schon zwei oder zweieinhalb Millionen Liter jährlich produzieren. „Aber wenn wir unsere Produktion langsam ausbauen, können wir dieses Ziel auf jeden Fall eines Tages erreichen. Eins nach dem anderen“, offenbart uns Sweetbertha Rwabizi am Ende des Gesprächs.

AUTOR: Prof. Ali Meyer | Erfahrungen bei der EXPO 2020 Dubai
QUELLEN: © Portraying Africa | SWEETBERTHA RWABIZI »
BILDER: © Ali Meyer | issued by IN VINO VERITAS

 

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