Samstag, den 21. Februar 2026

ALI´S PHOTOGRAPHISCHE IMPRESSIONEN

Der aus einer Mediendynastie stammende, bereits in vierter Generation als international renommierter Museumsphotograph arbeitender Ali Meyer, beschäftigt sich immer wieder mit enorm anspruchsvollen Großprojekten der Kunst- und Kulturgeschichte. Neben dem Erfassen komplexer Sammlungen im Abendland, wie jener der Orientalischen Antike im Musée du Louvre Paris, führte ihn seine Arbeit über den Buddhismus in das Morgenland.

IN VINO VERITAS: Die andere Hälfte des Herzens des Lichtbildners schlägt für den Wein. Seit einigen Jahren ist der Autor nunmehr auch journalistisch aktiv geworden, was den Photographen mit seiner Welt der Bilder darüber hinaus zum Schreibenden werden ließ. Fast 15 Jahre im Einsatz mit Herz und einer Menge an Lernpotential bei einer der renomiertesten Zeitschriften in der Branche, „Der Weinbau“, ließ ihn in die Materie eintauchen. Daraus entstand dieses persönliche innovative digitale Webportal IN VINO VERITAS. Und das was man ursprünglich gelernt, perfektioniert und bis dato ausübt, das ist hier natürlich eingebunden: Ali´s Photographische Impressionen.

BILD: © Prof. Ali Meyer | Danzinger Goldwasser (Ausschnitt) | Zyklus Mythos Gold

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ALI´S PHOTOGRAPHISCHEN IMPRESSIONEN
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
DIE VERLORENE WELT DER ANALOGEN PHOTOGRAPHIE

Was ist wo los? Im unteren ALI´S PHOTOGRAPHISCHE IMPRESSIONEN-LEITFADEN » betrachtet man die Welt durch das Okular der Lichtbildner. Die verlorene Welt der analogen Photographie bringt vieles in ein anderes Licht. Erschien dem Philosophen Roland Barthes die Vergänglichkeit der Photographie noch als ein tröstliches Wechselspiel zur eigenen Sterblichkeit, so ist diese Verbindung durch die Digitalisierung der Bilder und ihre uneingeschränkte Verfügbarkeit in den weltweiten Netzen endgültig obsolet geworden.



KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
DIE VERLORENE WELT DER ANALOGEN PHOTOGRAPHIE

VORWORT VON ALI MEYER

Maler vergangener Jahrhunderte fragten nur zu oft den männlichen Auftraggeber eines Portraits: „Soll das Bild der Gemahlin ähnlich schauen oder soll sie schön sein?“. Lange vor Photoshop gab es bereits Manipulationen der bildlichen Darstellung überlieferter „originaler Zustände“ für die geschichtliche Aufarbeitung.

René Descartes (René du Perron), Philosoph, Mathematiker und Naturforscher erzählt uns in seinem Werk La Dioptrique 1637 über Visionen und das Auge, indem er das menschliche Auge mit der Camera Obscura vergleicht, d. h. die Retina sei die Mattscheibe der Kamera. Während seine Physik durch den Newtonismus verdrängt wurde, ist die cartesianische Philosophie bis heute Thema geblieben, einem Zurückgehen auf die einfachsten Einsichten unseres Daseins, solche die durch Intuition gewiß sind. Diese letzte Gewissheit ist durch eine Zweifelsbetrachtung erreichbar, an deren Ende die Einsicht steht: „Cogito, ergo sum“.

Wir finden uns also in der stillen, in der dunklen Kammer des Nachdenkens. Henri Cartier-Bressons Dokumentationen der Befreiung von Paris, die er als Mitglied der Résistance als Zeitdokumente festhielt, sind legendär. Seine Bilder gehören heute zum „Inventar“ von Paris. Er lehnte es entschieden ab, den im „entscheidenden Moment“ des Abdrückens gewählten Bildausschnitt noch nachträglich zu manipulieren.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
DAS LEISE VERSCHWINDEN EINER KULTUR

GEDANKEN VON CHRISTOPH KÜNNE

ÜBER VOLKER HINZ: BILDERZÄHLER, IKONEN UND DAS LEISE VERSCHWINDEN EINER KULTUR

Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Nie zuvor wurde mehr fotografiert, und selten schien das einzelne Bild weniger zu bedeuten. Im endlosen Strom der digitalen Feeds verliert die Fotografie ihre Kontur, ihre Fähigkeit, innezuhalten und zu wirken. Wer in diesen Tagen die Ausstellung „In Love with Photography“ des Stern-Fotografen Volker Hinz (1947-2019) bei Freelens besucht oder in seinem gleichnamigen Fotobuch blättert, das in der Edition Lammerhuber erscheinen ist, betritt eine Gegenwelt. Eine Welt, in der Fotografen noch Bilderzähler waren und ihre Werke die Kraft besaßen, das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation zu formen. Es ist eine Begegnung mit der untergegangenen Kultur der analogen Fotografie.

DIE KUNST DER KONZENTRATION

Die Ästhetik der analogen Ära war keine Frage eines Photoshop-Filters, sondern eine der Notwendigkeit. 36 Aufnahmen pro Film – mehr als eine technische Beschränkung; sondern ein disziplinierendes Element, das den gesamten fotografischen Prozess definierte. Jedes Bild erschien als Investition – in Material, in Zeit, in Vertrauen in das eigene Auge. Diese materielle Knappheit zwang zu einer intellektuellen Vorarbeit, die heute kaum noch vorstellbar scheint. Der Fotograf musste sehen, komponieren und entscheiden, bevor der Finger den Auslöser berührte. Das Zögern vor dem entscheidenden Moment, das Abwägen der Komposition, das Antizipieren der Geschichte im Sucher – all das waren wesentliche Bestandteile eines Handwerks, das auf Präzision und Voraussicht basierte. Die Dunkelkammer war dann nicht der Ort der Korrektur, sondern der der Offenbarung, wo die zuvor im Kopf geformte Vision endlich materielle Gestalt annahm. Diese Methodik führte häufig zu Bildern von einer Dichte und erzählerischen Tiefe, die in der heutigen Bilderflut oft vermisst wird.

DIE GEDRUCKTE SEITE: BÜHNE UND FILTER EINER PROFESSION

Als die Welt noch ohne Internet auskommen musste, präsentierten sich Printmedien als die Kathedralen der Fotografie. Magazine wie »Stern«, »GEO« oder internationale Pendants wie »Life« verstanden sich nicht nur als Verbreitungskanäle, sondern stellten auch die entscheidenden Kuratoren des Visuellen dar. Sie waren die Instanz, die bestimmte, welches Bild Relevanz erlangte und welches in der Dunkelkammer blieb. Diese Gatekeeper-Funktion schuf eine natürliche Hierarchie und einen Qualitätsstandard. Ein vollformatiger Abdruck, eine Doppelseite, eine Titelgeschichte – die Ritterschläge einer Zunft, die sich ihres Wertes und ihrer Wirkung bewusst schien. Für diese kuratierte Auswahl zahlten Leser bereitwillig, was wiederum ein ökonomisches Fundament schuf, auf dem Fotografen eine auskömmliche Existenz aufbauen konnten. Die Redaktionen waren Partner und Kritiker zugleich. Sie forderten nicht nur Bilder, sondern Geschichten. Die Fotografen hatten die Rolle von Autoren, die mit Licht schrieben, und ihre Werke wurden zu Dokumenten, die über den Tag hinaus Bestand hatten.

DIE FLUT UND DIE LEERE: VOM BILD ZUR BELIEBIGKEIT

Volker Hinz‘ beeindruckende Porträts seiner Kollegen – von Richard Avedon über Peter Lindbergh bis zu den vielen, deren Namen nur Eingeweihten etwas sagen – sind mehr als nur Hommagen. Sie sind das Familienalbum einer Epoche. Sie zeigen Menschen in Momenten der Konzentration, des Zweifels und der Gemeinschaft. Man sieht den Stolz auf das Handwerk, aber auch die Last der Verantwortung für das Bild. Diese Gesichter erzählen von einer Zeit, in der die Fotografie ein Abenteuer war, das den ganzen Menschen forderte.

Heute ist das Spielfeld radikal gewandelt. Das fotofähige Smartphone in jeder Tasche hat die Fotografie demokratisiert, aber zugleich entwertet. Die schiere Masse an Bildern führt zu einer visuellen Abstumpfung. Ein Bild ist nicht mehr Ereignis, sondern Füllmaterial. Die Ikonen sind selten geworden, weil die Aufmerksamkeitsspanne für ihre Entstehung und Wirkung nicht mehr ausreicht. Für den professionellen Fotografen bedeutet dies einen fundamentalen Wandel seiner Rolle. Er ist nicht mehr nur Bildautor, sondern auch Content-Manager, Social-Media-Stratege und Selbstvermarkter in einem. Die Fähigkeit, ein technisch perfektes und ästhetisch ansprechendes Bild zu fertigen, erscheint nur noch als Grundvoraussetzung. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, im Lärm der Beliebigkeit überhaupt noch Gehör zu finden.

Die Arbeiten von Volker Hinz sind deshalb kein nostalgischer Rückblick, sondern ein wertvoller Impuls. Sie erinnern uns daran, was ein Bild zu leisten vermag, wenn es mehr ist als nur ein flüchtiger digitaler Reflex. Es geht nicht darum, die analoge Fotografie oder ihre Technik zu glorifizieren, sondern das dahinterliegende Prinzip zu verstehen: die bewusste Entscheidung für ein Motiv, die Konzentration auf eine Geschichte und den Mut zur Lücke. Vielleicht liegt die Zukunft der professionellen Fotografie nicht in der Produktion von noch mehr Bildern, sondern in der Schaffung von wenigeren, aber bedeutsameren. Bildern, die wieder Gewicht haben.

GASTAUTOR: © Christoph Künne | issued by Ali Meyer Media Services | Vienna
QUELLEN: mit freundlicher Genehmigung von Christoph Künne | Das leise Verschwinden einer Kultur | DOCMATISCHE DEPESCHE » |
BUCHBILD Henri Cartier-Bresson : © Ali Meyer | Archiv
BILDERSERIE: © DOCMA | Volker Hinz / STERN

 

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