DER KONGRESS TANZT
Die Welt schaute nach Wien. Während Napoleon um seine Macht kämpfte, verhandelten Europas Potentaten unter der Führung des Staats- und Conferenz-Minister Klemens Wenzel Lothar von Metternich in Wien über Europas Verhältnisse. Der k.k.Feldmarschal Charles Joseph de Ligne merkte – in variierend kolportierten Zitaten unter anderen bekanntlich an: „Le congrès danse, mais il ne marche pas.“ („Der Kongress tanzt, aber er bewegt sich nicht.“). Die Spitzenpolitiker der Teilnehmer tauchten in ein pralles Leben ein, spielten die politischen Ereignisse zuerst nur eine Nebenrolle. Die Hofgesellschaften Europas überboten sich in Überfluss bei Jagden und rauschenden Ballnächten, vertrieben sich die Zeit mit Amouren. Europas Monarchen und ihre Diplomaten samt einer nach Zehntausenden zählenden Entourage gaben Wien ihre Aufwartung. Beim Wiener Kongress – 18.09.1814 bis 08.06.1815 – da hetzten innerhalb guter acht Monate an die 1000 Diplomaten samt ihren Unterhändlern aus 100 Delegationen, aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, nur zu oft von Bett zu Bett, von Ball zu Ball, nicht immer vorrangig von Konferenz zu Konferenz.
Die unzähligen Festveranstaltungen galten aber nicht bloß als Vergnügen des Kongresses, sondern bildeten die Plattform für einen Teil des Verhandlungsgeschehens. Heute würde man das Networking am Corso nennen, verzaubert mit Tanz und Musik, begleitet von erstklassiger Kulinarik und hervorragenden Weinen – im Gesamten eine sehr reiche Thematik. Trotz des ausgeprägten Amüsier-Faktors ordneten die Monarchen und ihre Diplomaten, Adelige und diverse Strippenzieher, Europa nach den napoleonischen Kriegen neu – mit der Wiener „Congreß-Acte“ vom 9. Juni 1815. Sie wurde von acht Königen und Kaisern unterzeichnet. Sie besiegelte die Form des neuen Europas dieser Zeit, brachte gewisse Stabilität. Das System hielt immerhin 100 Jahre. Das Nachhaltigste jedoch war die Schaffung und die endgültige Festlegung diplomatischer Rangstufen. Diese verbindliche Ordnung wurde zur Grundlage für den diplomatischen Verkehr, die bis heute Gültigkeit hat.
BILD: © Ali Meyer | „Congreß-Acte“ 1815 | Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien
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VINO VERITAS –