Mittwoch, den 28. Oktober 2020

ALTE WELT vs. NEUE WELT

Der Wein als Getränk hat – neben seiner geschmacklichen und olfaktorischen Wahrnehmung – noch eine wirklich große gesellschaftliche Bedeutung. Er hält bei maßvollem und gemeinsamem Genuss – im wahrsten Sinn des Wortes – unsere Gesellschaft zusammen. Er offenbart eine enorme soziale Komponente.

Es ist noch nicht solange her, da oblag es Geschmacksdiktatoren und den sogenannten Weinpäpsten dem Konsumenten zu erklären, wo es langginge. Die globale Vernetzung unserer digitalen Welt mit ihren diversen Anwendungswerkzeugen, speziell jene der Neuen Medien gleich Facebook, Twitter, Youtube oder Pinterest, zeigt es auf: Die Weinwelt rückt immer näher zusammen. Mit bester Ausbildung, guter Technologie und einer Menge an Herz werden schon seit mehreren Generationen auch außerhalb Europas hervorragende Weine geschaffen. Und die Konsumenten haben viel gelernt.

Eigentlich müßte die Phrase durch ein Bindewort ersetzt werden und nun Alte Welt und Neue Welt heißen. Der möglicherweise als Kampfansage verstandene althergebrachte Begriff „versus“ – sollte zumindest den internationalen Wettbewerb beflügeln und zu noch höheren Qualitäten führen.

BILD: Die Welt | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

IN VINO VERITAS – DER WEINBAU EROBERT DIE WELT SERIE

Was ist wo los? Im unteren LÄNDER-LEITFADEN » findet man einen Auszug der Ursprünge und Orte des Kulturgutes Wein.


SÜDAFRIKA – AM „KAP DER GUTEN HOFFNUNG & TRAUBEN“

Am 2. Februar 1659 schrieb Jan van Riebeeck. erster Gouverneur am Kap der guten Hoffnung, in sein Tagebuch: „Heute, der Herr sei gepriesen, wurde zum erstenmal aus Kaptrauben Wein gepresst.“ Direkt am Tafelberg bei Kapstadt liegt Costantia. Die historische Stadt gilt als der Geburtsort des südafrikanischen Weinanbaus. Das milde Klima sorgt für einen hervorragenden Weißwein-Anbau.

50 km weiter, umgeben von den Drakenstein- und den Wemmershoek-Bergen, findet man in Paarl den drittältesten Ort Südafrikas. Das Weingebiet Paarl grenzt unmittelbar nördlich an das Weingebiet von Stellenbosch. Zum District Paarl gehören die Wards Franschhoek und Wellington. Hugenotten begannen Ende des 17. Jahrhunderts auf den kargen Granitverwitterungsböden Wein anzubauen. In der sogenannten „Französischen Ecke", Paarl und Franschhoek, ist es natürlich wärmer als in den Küstenregionen. Zudem sind die Weinberge hier auch geschützter. Ideale Vorraussetzungen für Spitzenweinbau bietet der Boden, der in Richtung Norden in Schiefer übergeht. Der französische Einfluss macht sich nicht nur im Jahrhunderte alten Weinbau, sondern auch in der ansässigen Restaurantszene bemerkbar.

Stellenbosch in der Provinz Westkap, das 1679 im Auftrage der holländischen Ostindien Kompanie als zweitälteste Siedlung in Südafrika gegründet wurde, beherbergt die Stellenbosch University. Ebendort werden die Winzer des Landes und Gäste anderer Länder oenologisch ausgebildet. Die Stadt kann noch eine intakte historische Innenstadt vorweisen. Es finden sich Zeugnisse aus kapholländischer, georgianischer als auch viktorianischer Architektur. Sie verdankt nicht nur ihre Existenz sondern auch ihren Namen dem ehemaligen Gouverneur des Kaps, Simon van der Stel. Die Weinberge entdeckt man im Distrikts Cape Winelands und der bergigen Naturschutzgebiete Jonkershoek und Simonsberg. Trauben welche im eigenen Keller verarbeitet, abfüllt und mit eigenem Label angeboten werden – diese finden sich in Stellenbosch – mit der größten Dichte an privaten Produzenten.

Auf der geografischen Weinkarte ist 70 km nördlich von Kapstadt das von den ersten Siedlern benannte „Het Zwarte Land – Das schwarze Land“ – in Afrikaans: Swartland – eingezeichnet. Die Namensgebung sei deshalb, weil sich der Nashoornbush (Renosterbusch) im Sommer so derart stark dunkelgrün einfärbt, dass man meine der Busch sei schwarz. Swartland liegt zwischen dem Ufer des Berg Rivers und den Hügelketten der Piketberge, von Piketberg im Norden nach Malmesbury im Süden, sowie von Darling im Westen bis ins Riebeek Valley im Osten eingebettet. Dort im Riebeek Valley wurden seit der Neubesiedlung Weinreben gepflanzt, finden sich deshalb noch heute sehr alte Stöcke. Neben dem Wein gedeiht hier in der Kornkammer Kapstadts auch Weizen in bester Gesellschaft zahlreicher Tierfarmen. Das Klima mit größtenteils mediterranen Charakter der warmen Sommermonate gepaart mit kühlen Brisen vom Atlantik sorgen für Weine auf höchstem Niveau. Mit einer Rebfläche von 13.750 ha ist das Gebiet hinter Stellenbosch, Paarl und Robertson die viertgrößte Anbauregion Südafrikas. Seit 2010 die „Swartland Revolution“ ausgerufen wurde, ist die Region weltbekannt. Es ist ein jährliches Weinfestival, auf dem nur spontan vergorene Weine von lokalen Weinerzeugern verkostet werden.

Das Tal des Weins und der Rosen, wie Robertson genannt wird, am Fuß der Berge und an den Zuflüssen des Breede Rivers gelegen, dort wachsen fruchtbetonte Rot- und Weißweine, Chardonnay und Shiraz, rund um die Stadt Robertson östlich von Kapstadt. Beginnend bei Auen-Böden an den Flüssen für Rotweinanbau, über rote Kies-Böden für Weißweinanbau, über Kalkstein-Böden für Chardonnay – bis hin zu Böden mit hohem Kalk- und Kreideanteil für mineralische Weine wie Chablis stehen in Robertson zur Verfügung. Die Vielfalt der Böden neben dem begnadeten Klima ist in diesem Lande schon unglaublich. Es gäbe noch Vieles zu erzählen. Es ist ein kleiner Querschnitt vom Kap der Guten Hoffnung bzw. vom Kap der Guten Trauben.

AUTOR: Prof. Ali Meyer
BILD: The Swartland Revolution | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

 

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