Dienstag, den 19. Oktober 2021

WEINBAU ALS KULTURERBE

Weinbau in Georgien lässt sich 5800 Jahre v. Chr. nachweisen, sowie im 5. Jahrtausend v. Chr. auch in der vorderasiatischen Landschaft Sumer – heute südlicher Irak. Der Weinbau breitete sich im gesamten Nahen Osten aus. Im 4. Jahrtausend v. Chr. bauten die Alten Ägypter Wein an. In der babylonischen Mythologie repräsentierte Gilgamesch den Wein und seinen Konsum. In der überlieferten Prosadichtung – dem Gilgamesch-Epos – entstanden ca. 2400 Jahre vor Christi Geburt in Persien – wird bereits über den Wein berichtet. Etwa um 1700 v. Chr. kultivierten auf Kreta die Minoer, deren Name auf den mythischen Despoten Minos zurückgeht, erste Edelreben. Die minoische Kultur ist die früheste Hochkultur Europas. Griechische Kolonisten dürften im 7./6. Jh. v. Chr. erstmals Rebstöcke nach Gallien in die heutige südfranzösische Provence nach Massalia – Marseille – gebracht haben. Sicher nachgewiesen ist Weinherstellung im heutigen Frankreich um 400 v. Chr. In Italien prägten sich verschiedene Erziehungsmethoden aus: an Bäumen, als Dachspalier am Kurzstamm oder kriechend auf dem Boden.

BILD: Amphoren im Bibracte Museum der keltischen Zivilisation / Saint-Léger-sous-Beuvray

KOMMENTAR

Der Weinbau als Kulturerbe ist weltumspannend.

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OLIVEN & WEIN

Was ist wo los? Im unteren KULTURERBE-LEITFADEN » werden Sie über immaterielles kulturelles Erbe auf dem Laufenden gehalten.


OLIVEN & WEIN – EIN HISTORISCHES DUETT

[…] „...dem Menschen, der edlen Schöpfung, von Gott bestraft, wurden drei Geschenke gegeben: Brot, Wein und Öl. Brot, um das Herz und den Körper zu stärken, Wein, um die Seele zu erfreuen, und Öl, damit sich der Körper vom Schmerz der alltäglichen Strapazen erholen kann...“ […] besagte der Geschichtsschreiber Eusebius von Caesarea.

Der griechische Gott Dionysos beziehungsweise sein römisches Pendant Bacchus waren in der Mythologie dem Wein gewidmet. Ein Mythos besagt das Dionysos seine Enkelinnen – Elais (Olive), Spermo (Getreide) und Oino (Wein) – derart beschenkte: „Nie sollen ihnen Öl, Getreide oder Wein ausgehen.“ Ein anderer Mythos besagt, dass ein Kreter namens Herakles die erste wilde Olive in Olympia gepflanzt hätte. Er veranstaltete mit seinen Brüdern die ersten Wettläufe der Welt. Den Sieger krönte Herakles mit einem Kranz aus Olivenzweigen. In der Antike symbolisierte der Olivenbaum zudem Weisheit, Fruchtbarkeit und Frieden. Der Begriff Bacchanalien war der allgemeine Name der dem Bacchus zu Ehren gefeierter Feste, bei den Griechen Dionysien genannt. In Rom führte ein besonders zügellos begangenes Fest vorzugsweise diesen Namen, bis P. Aebutius im Jahr 186 v. Chr. die in seiner Gegenwart dabei vorgenommenen Schändlichkeiten entdeckte. Der Senat verbot sie sodann auf das Strengste. So berichtet zumindest Vollmer's Mythologie aller Völker, Stuttgart 1874.

Entsprechend seinem Gesamtkonzept des ursprüglichen Reichsratsgebäude in Wien – heute Parlament – ordnete Architekt Theophil von Hansen der Seite des Herrenhauses die griechischen Geschichtsschreiber Xenophon, Thukydides, Herodot und Polybios, der Seite des Abgeordnetenhauses die römischen Historiker Sallust, Julius Caesar, Titus Livius und Tacitus zu. Diese Auswahl der Geschichtsschreiber sollte das gebildete Bürgertum ansprechen. Thukydides schrieb im 4. Jahrhundert vor Christus: „Die Völker des Mittelmeerraums entwickelten sich aus der Barbarei zu einem zivilisierten Volk, als sie lernten Oliven und Wein anzubauen.“

Die Römer haben die Weinreben bis an den nördlichsten Grenzen Europas angesiedelt – hier in der Alten Welt. Weinländer in Übersee sind mehrheitlich seit dem 17. Jahrhundert mit aus Europa stammenden Auswanderern besiedelt – dort in der Neuen Welt – wie es im Weinjargon nach wie vor so heißt. Es sind Länder wie etwa Südafrika, Australien und Neuseeland, Argentinien, Chile und die USA. Das Kultutgut Wein und seine kulinarischen Begleiter ziehen einen weltumspannenden Bogen. Das und der damit einhergehende vielseitige interkulturelle Austausch verbindet alle Kontinente.

 

BILD ganz oben: © Marc Friederich Mayer | Olivenhain | Taste of Koroni | Stuttgart
BILD links: © Ali Meyer | Figur des Thukydides | Seite des Herrenhauses Parlament Wien
BILD rechts: Weingartentrauben | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

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