Donnerstag, den 02. Juli 2020

VINI PER TUTTI – WEINE FÜR ALLE

Der Weinbau ist zwar seit Jahrtausenden evident, aber wir beginnen hier in der Rubrik VINO PER TUTTI im 19. Jahrhundert. Die Pflege der Weinstöcke in diesem Zeitabschnitt war markant, wurde der Weinbau endlich intensiviert. Durch Klimaverschlechterung bedingte Kälteschäden, sowie die aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten Oidium – Echter Mehltau – und Peronospora – Falscher Mehltau – reduzierten die Weinbauflächen erheblich. Die österreichische Weinwirtschaft traf die Verbreitung der Reblaus ab 1872 absolut ins Mark. Innerhalb nur weniger Jahre wurden alle Altkulturen komplett vernichtet. Der notwendige Wechsel bzw. Aufbau zu veredelten Rebsorten dauerte dementsprechend sehr viele Jahre. Die notwendige Gründung von Weinbauschulen, Weinbauvereinen und Winzergenossenschaften sollten den Durchbruch zur konstanten und gehobenen Qualität gewährleisten. Heute darf der Konsument gute Tropfen aus vielen Ecken der Erde zu erschwinglichen Preisen in sein Glas einschenken. Wein ist ein Genussmittel und ein Kulturprodukt. Als österreichisches Beispiel ist die Wachau mit ihren Weinbergterrassen und Burgen, mit den Stiften Melk und Göttweig und der Kremser Altstadt als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Der Wein hat seinen weltweiten Siegeszug vollbracht: VINO PER TUTTI – Weine für Alle.

BILD: © IMAGNO/Archiv Lunzer | Weinlese in der Kellergasse von Langenlois | Photographie von Peucker um 1905

IN VINO VERITASGLOBALER MARKT

DIE REISE EINER FLASCHE

Griechen und Römer bewegten den Wein in irdenen Gefäßen – genannt Amphoren – oder ledernen Schläuchen. Während der mittelalterlichen besonders langen und oft sehr unruhigen Seetransporte in bis zu 300 Liter Holzfässern wurde der Wein permanent durchgeschüttelt. Gepaart mit zusätzlicher Verdunstung durch die Fasswände erhöhte sich die Luftmenge innerhalb der Fässer. All diese Umstände waren der Qualität nicht gerade zuträglich, war der Wein mitunter verdorben. Schiffe gleiten heute weitaus ruhiger durch das Gewässer. Doch wie legt man es an wenn Weine vom anderen Ende der Welt auf ihrem Weg nach Europa den doch starken Temperaturschwankungen auf See ausgesetzt werden? Diese Temperaturunterschiede bleiben gering, wenn der Wein in Flaschen abgefüllt unterhalb der Wasseroberfläche verstaut wird. Das betrifft allerdings die teureren Produkte auf ihrer Reise in der Flasche. Ganz besonders edle Tropfen sind gar in einem speziell temperierten Kühlcontainer unterwegs, im REEFER, der exakt temperiert wird.

Hapag-Lloyd zum Beispiel transportiert auf seinen Schiffen 100.000 Standardcontainer mit Wein pro Jahr, im TEU, Twenty-foot Equivalent Unit. Ein bedeutender Teil davon wird in solchen Kunststofftanks – vorwiegend aus den Weinanbaugebieten in Australien, Chile, Kalifornien und Südafrika nach Großbritannien und in die USA verschifft. Die in den 20-Fuß-Standardcontainer verladenen Tanks fassen bis zu 24.000 Liter. Diese Transportmethode ist insbesondere jungen und verhältnismäßig preiswerten Weinen vorbehalten, wo die Kosten pro transportiertem Liter deutlich gesenkt werden müssen. Der Wein wird erst am Zielort in Flaschen abgefüllt.

Ein Flaschentransport per Segelschiff wäre eine Weiterführung und eine Vervollständigung der natürlichen Weinbergsarbeit und passt zu der Philosophie des nötigen Klimaschutzes und einhergehender Nachhaltigkeit.

BILD: © Florian Engels | Hamburg | Flaschenpost

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