Montag, den 26. Oktober 2020

KUNST, KULTUR UND WISSENSCHAFT

Die Kulturdiplomatie erlebt insgesamt wieder einen Aufschwung. Es geht heute bei der Kulturdiplomatie des Staates weniger um Projektion von Macht nach außen, viel mehr jedoch um eine idealistische Vorstellung der internationalen Kooperation, in der Kulturaustausch zu mehr Verständnis, gegenseitigem Respekt und schlussendlich dem Frieden fördernd sein soll – Macht im internationalen System durch Attraktivität und Vorbildwirkung, statt durch politischen, ökonomischen oder gar militärischen Druck. Die heutige offizielle Kulturdiplomatie steht vor der Herausforderung, dass nicht-staatliche Akteure in allen Bereichen Einfluss gewinnen.

Mein persönliches Bestreben diente bis heute in sehr vielfältiger Weise der Kultur und Wissenschaft – sowie der Freundschaft und dem friedvollen Miteinander – das alles auf internationaler Ebene. Es ist die Aufgabe der Kulturdiplomatie – ob bilaterale Vertretung oder private Initiative – die Interessen von Kulturschaffenden - gleichrangig den politischen und ökonomischen Interessen – aufzuzeigen, zu vertreten und final zu erkämpfen.

BILD: Prof. Ali Meyer | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

IN VINO VERITAS BOTSCHAFTER DER KULTURDIPLOMATIE – NETWORKING

Was ist wo los? Im unteren BOTSCHAFTER DER KULTURDIPLOMATIE-LEITFADEN » werden Sie über nationale bis internationale, profane bis klerikale sowie bilaterale bis multilaterale Kulturnetzwerke informiert.


KULTURGUT WEIN

Auf UNESCO-Ebene wird zwischen den Begriffen „Welterbe“ und „Immaterielles Kulturerbe“ unterschieden. Handelt es sich beim Welterbe um materielle Kultur- und Naturdenkmäler, wie etwa die Pyramiden von Gizeh, die Everglades oder Schloss Schönbrunn, umfasst Immaterielles Kulturerbe u.a. kulturelle Praktiken – wie Bräuche, Rituale und Feste, Erfahrungswissen und traditionelles Handwerk.

DIE INWERTSETZUNG ÖSTERREICHISCHER WEINKULTUR
AUF BASIS DES KULTURERBEVERSTÄNDNIS DER UNESCO

Mit der Anerkennung von kulinarischen Traditionen, beispielsweise der französischen Speisenfolge, als Teil des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, schuf die UNESCO einen neuen, kulturellen Blick auf den Bereich des Essens und Trinkens. Für viele immaterielle Kulturgüter bedeutet die Aufnahme in das Kulturerbeverständnis Möglichkeiten einer gezielten Inwertsetzung. Mit der Sicht auf den österreichischen Wein, unter der Folie des immateriellen Kulturerbes, können Geschichte(n), Traditionen und Herkunft für die heimische Weinwirtschaft einen Wettbewerbsvorteil bieten. Durch die Konkurrenzsituation auf dem globalen Weinmarkt kann das eigene Kulturerbe wesentlich zum Profil des heimischen Weines beisteuern und seine Position bei den heimischen Konsumenten festigen sowie ausbauen. Besonders der Tourismus bietet dem immateriellen Kulturerbe eine Bühne, sich darzustellen und aus dem Weinreisenden einen loyalen Konsumenten zu machen.

Wein und Bier dienten bis zum 18. Jahrhundert nicht nur als Alternative zum oft verunreinigten und mit Krankheitserregern verseuchten Wasser. Ihre Bedeutung überstieg den bloßen Zweck des Durststillens. Ob als Zahlungsmittel, als Statussymbol, zur künstlerischen oder philosophischen Inspiration sowie in religiösen Zeremonien, sie nahmen einen zentralen Platz im jeweiligen Gesellschaftsleben ein. Wie viele andere Nationen entwickelte Österreich ein besonderes Verhältnis zum Wein. Schon zu Zeiten der Habsburger zählte der Wein zu den wichtigsten Handelsgütern, durch deren Einnahmen das Herrscherhaus zahlreiche Kriege finanzierte. Seine Rolle als Kulturgut erfüllte der Wein zu allen Zeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg trug er wesentlich zum österreichischen Gründungsmythos bei. Bei den Staatsvertragsverhandlungen soll reichlich Wein geflossen sein. Die Einigung mit der Sowjetunion setzte angeblich die Trinkfestigkeit der beiden österreichischen Politiker Julius Raab und Leopold Figl voraus. Auch wenn sich der berühmte Ausspruch Leopold Figls: ‚„Und jetzt Raab – jetzt noch d'Reblaus, dann sans waach!“ und die weinselige Runde bei den Verhandlungen wohl eher in den Bereich der Legenden einordnen lässt, bestimmte das Klischee von der österreichischen Weinseligkeit über weite Strecken das Fremd- sowie das Selbstbild.

Einzelne Weinbauregionen, wie auch die heimische Wachau, fanden bereits Einzug auf die Liste des schützenswerten Erbes der Menschheit vor allem wegen ihrer Naturlandschaft. Wein ist aber nicht nur Naturerbe, sondern Weinbau und -kultur zählen vor allem zu den lebendigen Kulturgütern, die sich schwer greifen lassen. Neben den materiellen Gütern gewannen die immateriellen Güter immer mehr an Bedeutung. Die Anerkennung des immateriellen Erbes als schützenswertes Gut durch die UNESCO bewirkte eine Nationalisierung und Regionalisierung von Kulturerbe. Durch die Nationalagenturen entstand eine Aufwertung von lebendiger und regionaler Kultur in all ihren Facetten. Österreich ratifizierte am 9.7.2009 das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes und nahm bis heute mehr als vierzig Anträge in das nationale Verzeichnis auf. Die Bestimmungsmacht und Interpretation von Kulturerbe liegt bei den Nationalstaaten und den Communitys - die Vorgaben der UNESCO sind nur richtungsweisend. Deshalb verzichtet immaterielles Kulturgut wohl bewusst auf die Bezeichnung Weltkulturerbe.

QUELLE & AUTOR: © Stefan Rothschedl | Die Inwertsetzung österreichischer Weinkultur auf Basis des Kulturerbeverständnis der Unesco | Leseprobe aus der Magisterarbeit

BILDER: IN VINO VERITAS | Der neue Weinbau 4.0

 

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