Montag, den 26. Oktober 2020

SAISONALES

Vom Rebstock im Weingarten bis zu einem guten Tropfen im Glas ist es langer Werdegang. Ein heutzutage sehr unberechenbares Klima, mitunter gepaart mit störrischen Böden samt besonders sensiblen Traubensorten, der Rebschnitt, das Biegen und Binden, die Laubarbeiten, die Bodenbearbeitung inklusive Düngung, die Reberziehung und die erfolgreiche Schädlingsbekämpfung – bis hin zur Weinlese und finaler Weinherstellung – das macht das Arbeitsleben für den Winzer nicht gerade einfach. Es erfordert neben aller Erfahrung aus langen Traditionen und allem fachlichen Wissen auch noch ein Erdwissenschafter bis Geoökologe, ein Spezialist der Vegetationskunde bis Biochemiker oder auch noch ein Kommunikationstalent bis kreativer Künstler zu sein.

BILD: Saisonale Impressionen | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

IN VINO VERITASDER JAHRESRHYTHMUS

FRÜHLING

MÄRZ – APRIL – MAI

Der März ist die Zeit für diverse Reparaturen am Spaliersystem. So werden morsche Holzpfähle ausgetauscht, Stützstöcke nachgeschlagen und Drähte nachgespannt oder erneuert. Anschließend werden der Kordon und das angeschnittene Fruchtholz an den Drähten befestigt. Anfang April, wenn die Knospen anschwellen, wird die Austriebsspritzung gegen Kräusel-, Pocken- und Spinnmilben durchgeführt. Weiters werden die im Spätherbst mit Erde angehäuften Veredelungsstellen der Rebstöcke freigelegt. Es folgt die Einsaat der Dauerbegrünung bzw. der Gründüngung und das Einbringen organischer oder mineralischer Nährstoffe. Ende April, Anfang Mai brechen die Knospen auf – die grünen Triebspitzen werden sichtbar. Nachtfröste können den jungen Trieben in dieser Zeit noch schwer zusetzen. Überschüssige Triebe an Kordon und Fruchtholz sowie Wasserschosse am Stamm werden ausgebrochen.

BILD: Frühjahr Impressionen | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

SOMMER

JUNI – JULI – AUGUST

In der letzten Junihälfte beginnt nach der Traubenblüte eine intensive Arbeitsphase: Ausbrechen oder Ausgeizen der jungen Triebe. Einstricken der langen Triebe zwischen den Drähten, damit sie sich anranken können und somit vom Wind nicht abgebrochen werden. Gründüngung oder Mulchen: Gras, Klee, Sonnenblumen, Wicken usw., die im Herbst zwischen den Rebzeilen wachsen, werden abgemäht und liegengelassen. Dieser Grünschnitt deckt den Boden des Weingartens ab und wird von Bodenlebewesen langsam zu Humus verarbeitet. Die Qualität des Bodens verbessert sich dadurch. Nebenbei kann das Wasser bei starken Regenfällen vom Boden besser aufgenommen und gespeichert werden. Anfang Juli sind die Beeren bereits zu Erbsengröße angewachsen und die Trauben hängen an den Reben. Um die Julimitte beginnt man die langen Triebe zu wipfeln. Das bedeutet, dass die Triebe, die über das Drahtspalier hinauswachsen, maschinell oder per Hand gekürzt werden. Besonders zwischen Juli und August wächst eine starke Laubwand heran, die nicht nur durch das Kürzen und einstricken der Triebe, sondern auch durch ein Heften der Reben in Form gehalten wird. Je nach Rebsorte wird Ende Juli oder Anfang August mit der Traubenausdünnung begonnen, um den Ertrag zu reduzieren. Die Bodenbearbeitungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen werden wiederholt.Etwa Mitte August vollzieht sich der Traubenschluss, d.h., die Beeren haben ihre volle Größe erreicht. Mit dem Beginn der Fruchtreife wird der Pflanzenschutz in der Regel eingestellt. Die Arbeiten im Weingarten beschränken sich nun auf das Schneiden und Ansäen der Dauerbegrünung sowie das Entfernen beschädigter Trauben. Noch im August wird mit dem Freilegen der Traubenzone begonnen. Dabei werden die Blätter händisch entfernt, um die Lichteinwirkung auf die Trauben und die Durchlüftung zu verbessern

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HERBST

SEPTEMBER – OKTOBER – NOVEMBER

Abhängig vom Reifezustand der Trauben, dem Witterungsverlauf, dem Gebiet, der Lage und der Rebsorte (früh, mittel oder spät reifend) beginnt die Lese im September und endet mit Oktober. Eine Ausnahme ist die Traubenernte für die Erzeugung von Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen, Ausbruch und Eiswein, die im November und Dezember stattfindet. Zu den letzten Arbeiten des Jahres zählt das Anpflügen der Rebstöcke, bei dem die Veredelungsstellen der Reben mit Erde bedeckt werden und so vor dem Frost geschützt werden. Weiters kann ein organischer Dünger ausgebracht werden.

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WINTER

DEZEMBER – JÄNNER – FEBRUAR

Die Winzer eröffnen das neue Jahr mit dem Rebschnitt im Jänner. Der Winterschnitt ist eine wichtige Maßnahme zur Kultivierung und Pflege des Rebstocks. Er kann aber auch schon im Dezember durchgeführt werden und ist in der Regel Anfang März abgeschlossen. Die Rebe bekommt durch den Schnitt eine bestimmte Form, die zukünftige Arbeiten im Weingarten erleichtert bzw. ein maschinelles Bearbeiten erlaubt. Weiters werden durch ein Einschränken der Augen (Knospen), die später die Trauben tragen, der Ertrag und die Qualität beeinflusst. Wuchskraft und Ertragsleistung des Rebstocks werden dabei berücksichtigt.

BILD: Winter Impressionen | IN VINO VERITAS | Der Neue Weinbau 4.0

 

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