Donnerstag, den 24. September 2020

AVVENTURA PER TUTTI – ABENTEUER FÜR ALLE

Die erste Erwähnung des Jakobsweges scheint im Jahre 1047 auf, als in der Provinz Palencia in einer Urkunde des Hospitals von Arconada die nordspanische Hauptverkehrsachse als der Weg – der seit alten Zeiten von Pilgern des Heilligen Jakobus und Peter und Paul begangen werde – bezeichnet wird. Seit 1993 ist der spanische Hauptweg in das UNESCO-Welterbe aufgenommen worden. Pilgern bedeutet dem Leben eine neue Richtung zu geben, sich eine Weile aufs Wesentliche zu beschränken, nur das Notwendigste mitzunehmen um Ballast abzuwerfen, Sorgen und Anliegen mit auf den Weg nehmen. Der weltbekannte Pilgerweg verläuft vom französischen Pyrenäen-Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port über Pamplona, Logroño, Burgos und León nach Santiago de Compostela und als Draufgabe noch bis an das „Ende der Welt“ zum Kap Finisterre. Unter römischen Brücken, vorbei an mittelalterlichen Burgen, neben romanischen und gotischen Kirchen durch eine romantische bis wilde Landschaft, ist die Erkenntnisroute auch eine vinophile Reise.

BILD: IN VINO VERITAS | Auf dem Weg nach Santiago via dem Pfad Camino de Santiago

IN VINO VERITAS – WEINSTRASSEN DER WELT

AUF DEM JAKOBSWEG – auch eine VINOPHILE REISE

Der englischer Philosoph John Locke befasst sich in seinem Hauptwerk An Essay Concerning Human Understanding, mit dem menschlichen Verstand und darin findet sich vielleicht das berühmteste symbolische Bild der Camera Obscura: „Äußerliche und innerliche Wahrnehmungen sind die einzigen Wege, die meines Wissens für den Verstand erfassbar sind. Denn der Verstand ist, wie mir scheint, nicht sehr viel anders als ein Fenster, durch das Licht in diese völlig dunkle Kammer fällt. Für mich ist der Verstand sehr ähnlich einem solchen absolut abgedunkelten Raum, wo nur eine kleine Öffnung vorhanden ist, um äußere sichtbare Bilder oder Vorstellungen von außerhalb einzulassen; würden die Bilder, die aus so einem dunklen Raum kommen, nur dort bleiben und geordnet verwahrt sein, um bei Gelegenheit abrufbereit zu sein, so würde das dem Verstand des Menschen sehr ähnlich sein.“ Locke unterscheidet zwei Quellen der Erfahrung: Die Sensation, die von den äußeren materiellen Dingen ausgeht und die Reflexion, die sich auf die inneren Operationen unseres Geistes bezieht. „Wie überstehen denn andere Leute ihr Leben?“. Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch die meisten Romane des US-amerikanischen Schriftstellers Richard Yates. Erkenne dich selbst. Diesem Weg sollte man folgen. Man kann dabei ruhig dem mutigen Vorbild Ludwig Feuerbachs folgen und die Scheu vor ein wenig Religionskritik verlieren.

Das unvollendete Projekt der Aufklärung darf weiterentwickelt werden, am Besten im aufrechten Gang. Als Agnostiker von Gottes Gnaden beschäftigt mich seit langem ein Gedanke. Wer das Ziel nicht kennt, wird den Weg nicht finden. Die spirituelle Erfahrung eines Erkenntnisweges um einmal nachhaltig zu dir selbst zu finden, ein in vielen Formen definierbares Etwas, welches erst durch Erfahrung fühlbar, greifbar und beschreibbar wird, das ist es, welches es zu erforschen gilt. Aus diesem Grunde spreche ich von einem Triathlon. Da offenbaren sich dir diverse Varianten der Selbstverwirklichung, falls man das in solchen Worten auszudrücken imstande ist. „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.“ Ich wähle den seit langem existierenden altbekannten Pilgerweg nach Santiago de Compostela – nach meiner persönlichen Definition eben benannt als Rosenkranz-Triathlon – den Jakobsweg, Camino de Santiago. Die Grabstätte in Santiago de Compostela entwickelte sich im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zum dritten Hauptziel der christlichen Pilgerfahrt. Warum strebe ich nicht nach Jerusalem? Dort ist es viel zu unruhig, im Umfeld gibt es auch zu viele Bomben. Warum zieht es dich nicht nach Rom? Ich spreche immer lieber mit dem Chef und nicht mit seinem Stellvertreter.

Das ist der Punkt. In aller Bescheidenheit immer hoch hinaus, das ist ein Teil des Geheimnis des Lebens. Ich begebe mich also auf den Weg nach Santiago. Ich gehe davon aus, dass der Weg das wahre Ziel ist. Diese Betrachtungsweise ist vor allem dann besonders wertvoll, sollte man sein Ziel einmal nicht erreichen. „Der Weg ist das Ziel.“ Dieser Satz von Konfuzius ist elementar. Was nach deinem Tod sein wird, weiß du nicht. Man hat nur den Weg bis ebendort. Diesen Weg dahin sollte man mit wachen Sinnen aufmerksam beschreiten. „Alles sagen die Sinne – aber um ihre Aussagen zu verstehen, muss man sie verbinden. Die Evangelien der Sinne im Zusammenhang lesen, heißt denken“ (Ludwig Feuerbach). Pilgern bedeutet dem Leben eine neue Richtung zu geben, sich eine Weile aufs Wesentliche zu beschränken, nur das Notwendigste mitzunehmen um Ballast abzuwerfen, Sorgen und Anliegen mit auf den Weg nehmen. Du hast die Möglichkeit Stress abzubauen, dich der Natur zuzuwenden und dabei den eigenen Lebensweg zu reflektieren. Andere wollen im Gehen Klarheit gewinnen, dem Alltag entfliehen oder sind auf Suche nach dem Sinn des Lebens. Viele sind auf der Suche nach Gott, zumindest einem großen Baumeister aller Welten. In jeder Form bringt es die Klarheit der Gedanken. Eine noch größere Dimension offenbart sich dir, diesen Weg mit deinem eigenen Sohn beschreiten zu dürfen. Dieses Glück wird mir beschieden sein. Blut ist ja bekanntlich dicker als Wasser und der Camino ist ein Band fürs Leben – auch wenn das Projekt wegen der Corona Krise (Covid-19) möglicherweise erst 2021 oder sogar 2022 realisierbar sein wird. Die Erkenntnisroute ist wie schon gesagt auch eine vinophile Reise.

QUELLE: © Prof. Ali Meyer | SANTIAGO » | Rosenkranz-Triathlon | Auszug aus dem Buchmanuskript

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